Notdienste

Aufruf an alle Kleintier- und Gemischtpraktiker und die amtlichen Tierärzte in den Veterinärämtern

Veröffentlicht am 14. März 2022

Der Krieg in der Ukraine und die massenhafte Flucht aus dem Land erzeugen großes Leid und Elend. Den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, können wir mit Wärme und Menschlichkeit begegnen. Unser Beitrag als Tierärzte kann ein wohlwollender freundlicher Umgang mit den Menschen und ihren mitgebrachten Hunden und Katzen sein. Viele Tiere sind nicht nach den bei uns üblichen Regeln geimpft oder gegen Parasiten behandelt. Teilweise ist der Allgemeinzustand der Tiere nicht optimal. Die Impfzertifikate entsprechen oft nicht den europäischen Richtlinien.

Wir Kleintier- und Gemischtpraktiker sind unter Umständen die erste Anlaufstelle für Tiere aus der Ukraine. Durch einen Honorarverzicht nach § 4 der GOT zumindest für die Erstuntersuchung und die Behandlung eventuell vorhandener Parasitosen oder Folgen der langen Reise und durch eine gute Zusammenarbeit mit dem zuständigen Veterinäramt können wir einen Beitrag leisten, den Menschen ihre schwierige Situation etwas zu erleichtern.

Auch die Kollegen und Kolleginnen in den Veterinärämtern werden zur Hilfe aufgerufen. Unsere hoheitlichen Aufgaben im Zusammenhang mit der Überprüfung und Inquarantänesetzung von mitgeführten Heimtieren (Hunde und Katzen) beinhalten neben der Erfassung auch die Kontrolle der Kennzeichnung, des EU-Heimtierausweises und der notwendigen Tollwutimpfung. Dabei empfehlen wir den praktizierenden Tierärzten ein gemeinsames Tätigwerden mit den amtlichen Tierärzten vor Ort. Mit Sicherheit werden auch viele Landkreise den Ukrainerinnen und Ukrainern dafür keine Kosten berechnen, wie es sonst eigentlich üblich ist. Die notwendigen Absprachen zur Finanzierung der amtlichen Aufgaben werden derzeit in den Landkreisen und kreisfreien Städten geführt. Dem Missbrauch unserer Hilfsangebote muss allerdings vorgebeugt werden.

Bürokratie und Kosten sollten uns nicht von kleinen Gesten der Nächstenliebe abhalten. Die Zeit für Menschlichkeit ist jetzt!

Martin Pehle, Präsident der LTK Brandenburg
Dr. Silke Neuling, Vizepräsidentin