Notdienste

Corona-Pandemie, Brief des Präsidenten

Veröffentlicht am 23. März 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die vergangenen Tage waren für uns alle verwirrend und beängstigend. Sie stellten uns vor noch nie dagewesene Herausforderungen. Täglich erhöhen sich die Zahlen der mit SARS-CoV-2-Infizierten. In Italien müssen die Verstorbenen mit Militärkonvois abtransportiert werden. Es gibt keine Desinfektionsmittel und keine Schutzkleidung mehr zu kaufen. Die Supermarktregale sind leergekauft. Kinder dürfen nicht zur Schule. Öffentliche Veranstaltungen werden abgesagt. Sogar Beerdigungen werden reglementiert. Noch vor zwei Wochen hätte sich wohl kaum einer von uns so etwas vorstellen können.

Die Politiker müssen in diesen Tagen schwere Entscheidungen treffen. Sie müssen einen Weg finden zwischen dem. was die Seuchenexperten raten und dem, was der Bevölkerung zumutbar ist. Das Ist sicher nicht leicht und führt zu den beinahe täglich verschärften Maßnahmen, die wir nun erleben. Dass diese Maßnahmen richtig sind, daran besteht wohl kein Zweifel.

Die Aufgabe der Standespolitiker und damit der Kammern ist es, in dieser Flut von Anordnungen, die es so noch nie gab, den Überblick zu behalten und zu erkennen, was sie im Einzelnen für uns Tierärzte bedeuten. Das Ist nicht einfach, denn wir Tierärzte fallen wie so oft durch das Raster. Sind wir als Heilberuf systemrelevant? Dürfen die Praxen weiter geöffnet bleiben? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Diese Fragen beschäftigen mich, den Kammervorstand und unsere Geschäftsführerin Frau Schulze seit der Verkündung der Schulschließungen und weitreichenden Einschränkung des öffentlichen Lebens am 13. März.

Am Wochenende 14./15. März entwarf der Vorstand ein erstes Merkblatt für die Praxen. Es wurde Ihnen per E-Mail zugeschickt und ist auf der Homepage abrufbar. Zur Frage der Systemrelevanz wandte ich mich am Montag, den 16. März an den Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg und am Donnerstag, den 19. März an die Gesundheitsministerin Frau Nonnemacher. Von beiden erhielten wir bisher keine Antwort. Am Dienstag, den 17. März ging ein gemeinsames Schreiben von BTK, bpt, BbT, DVG und dem Deutschen Tierschutzbund an die Bundeslandwirtschaftsministerin Frau Klöckner. In diesem Schreiben wird sie dringend gebeten, uns Tierärzte als systemrelevant einzustufen. Bisher gab es auf dieses Schreiben keine Antwort.

Für uns stellt sich die Frage der Systemrelevanz eigentlich gar nicht. Die Kolleginnen und Kollegen in den Ämtern und im Landeslabor leisten unverzichtbare Arbeit. Die Tierseuchen z.B. ASP machen ja keine Pause, wenn eine Seuche unter den Menschen grassiert. Auch die Lebensmittelkontrolle muss weiter gewährleistet bleiben. Die Kolleginnen und Kollegen in den Praxen sorgen für eine weiter funktionierende Lebensmittelproduktion durch die Betreuung der Tierbestände. Die Kleintier- und Pferdepraktikerinnen und -praktiker behandeln Tiere, die als Familienmitglieder in den Haushalten oder mit Ihren Haltern leben. Das ist nicht nur eine tierschützerische Notwendigkeit, sondern auch ein kleiner Rest Normalität in dieser schweren Zeit.

Die Geschäftsstelle der Landestierärztekammer Brandenburg arbeitet. Dafür sei Frau Schulze und Frau Ränicke herzlich gedankt. Das Telefon steht seit dem 16. März nicht mehr still. Nicht alle Fragen kann die Kammer beantworten. So können und wollen wir den niedergelassenen Tierärzten nicht vorschreiben, wie sie ihre Praxen zu fuhren haben. Hierzu gibt es inzwischen unzählige Hinweise im Internet nicht zuletzt von der BTK, dem bpt und unser kleines Merkblatt vom 16. März. Ich finde es wichtig, dass wir Tierärzte in dieser Zeit der Not für unsere Tierhalter und deren Tiere da sind. Das gilt für die Nutztierpraxis ebenso wie für die Kleintier- und Pferdepraxis. Ob geplante OPs zu verschieben sind oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Wir blockieren durch geplante OPs keine Intensivbetten. Gerade bei OPs lässt sich der Kundenkontakt auf ein Minimum reduzieren, weil das Tier nur abzunehmen und wieder herauszugeben ist. Jeder sollte für sich das Risikopotenzial einschätzen und verantwortungsbewusst entscheiden, wie er mit der Situation umgeht. Sicher unterscheiden sich hier kleine Praxen von großen Praxen, Praxen Im dicht besiedelten Berliner Umland und in den kreisfreien Städten von Praxen Im ländlichen Raum. Die allgemeinen Regeln des Infektionsschutzes gelten natürlich uneingeschränkt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir gehen schwierigen Zeiten entgegen. Niemand kann sagen, wie lange die Beschränkungen des öffentlichen Lebens anhalten werden. Niemand weiß, wie sich das auf die Tierarztpraxen im Land auswirken wird. Der Kammervorstand und die Geschäftsstelle versuchen alles, um Informationen für Sie zu sammeln, auf die Politik in unserem Sinne einzuwirken und Handlungsempfehlungen zu geben. Vieles ergibt sich aus den täglichen Nachrichten jedoch auch von selbst. Wenn Sie Fragen haben, zögern Sie nicht, sich per Telefon oder E-Mail an die Geschäftsstelle zu wenden. Von Besuchen in der Geschäftsstelle bitten wir abzusehen. Frau Schulze wird versuchen, Antworten zu finden. Nun wünsche ich uns allen Gesundheit, Kraft, Besonnenheit, Vertrauen, Zuversicht und Gottes Segen.

Ihr Martin Pehle